Mannheim gegen Sexkauf

Die Initiative Mannheim gegen Sexkauf fordert die Einführung eines Sexkaufverbots nach dem Vorbild des Nordischen Modells sowie eine umfassende Aufklärung über die Schäden der Prostitution & Pornografie.

Mannheim gegen Sexkauf - Mannheimer Wasserturm

Leserbrief zu Artikel im Deutschen Ärzteblatt über Freier-Gesundheit

Ich muss zu dem Titelbild-Artikel des Ärzteblatts vom 25.3. „Männer, die für Sex bezahlen: Häufigkeit und sexuelle Gesundheit“ heftige Kritik äußern:

Jetzt haben es Freier, noch dazu solche, die die Kondompflicht umgehen, als besonders vulnerable und schützenswerte Personen auf die Titelseite des Ärzteblatts geschafft. Bravo!

Die Autorin Nicola Döring macht sich Sorgen um deren sexuelle Gesundheit (womit sie Recht hat) und stellt fest, dass heterosexueller kommerzieller Sex eine der Hauptursachen der HIV-Epidemie in der Welt ist – womit sie leider auch Recht hat.

Womit sie nicht Recht hat, ist die Schlussfolgerung, dass nur in einem liberalen, den Kauf von Sex legalisierenden Umfeld Männer sich für Beratung zu krankheitsvermeidendem Verhalten öffnen würden, und dass deshalb eine moderne Gesetzgebung, die Freier und den Kauf von „Sexdienstleistungen“ kriminalisiert, das Gesundheitsrisiko für diese Männer (und damit auch für ihre bezahlten und unbezahlten Sexpartnerinnen = Ehefrauen, Lebensgefährtinnen, Freundinnen,) erhöht. Sie folgert dies aus einer Studie (Literaturangabe Nr. 40), die, wenn man sie sich genau anschaut, genau diesen Schluss eben nicht erlaubt:„ Few studies reported whether arrest was related to sex work or another offence, limiting our ability to assess the associations between sex work criminalisation and outcomes relative to other penalties or abuses of police power“). Leider zieht aber auch diese zitierte Studie den (offensichtlich erwünschten) Schluss „the qualitative and quantitative evidence demonstrate the extensive harms associated with criminalisation of sex work, including laws and enforcement targeting the sale and purchase of sex”. Offenbar hat Fr. Döring nur diesen Satz aus der Zusammenfassung wahrhaben wollen und deshalb zitiert.

 

Die Studie verwechselt Ursache und Wirkung: nicht die Männer, die für Sex bezahlen, sind vulnerabel und Opfer ihrer „als Personen mit hohem STI/HIV-Risiko angesehenen“ bezahlten Sex“partnerinnen“ („für Sex missbrauchten Frauen“ wäre der Situation angemessener), sondern sie selbst sind die Risikogruppe: SIE übertragen die Krankheiten auf die Frauen – auf prostituierte und nicht-prostituierte Frauen.

Die Studie fordert mehr HIV/STI-Tests, damit die Männer, die Sex kaufen sich besser schützen können – sie fordert also, dass sich die Opfer des Missbrauchs, der jede Prostitution ist, sich Tests unterziehen müssen, damit die Täter sich schützen können. Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht!

Die Studie behauptet außerdem, dass Kriminalisierung und Stigmatisierung die Männer, die Frauen prostituieren und benutzen, zu einer schwer erreichbaren Bevölkerungsgruppe machten. Gleichzeitig zählt sie auf, dass zwischen ca. 10 und 25% aller Männer!!! jemals für Sex bezahlt haben! Das soll eine schwer erreichbare Bevölkerungsgruppe sein?? Jeder 4. oder 5. Mann, der in eine Arztpraxis kommt, ist einer davon! Da lohnt es sich für jede Ärztin und jeden Arzt, JEDEN Mann anzusprechen und über sexuelle Gesundheitsprävention und den Missbrauch durch Prostitution zu sprechen! Zumal diese Männer, wie die Studie auch nachweist, ein riskanteres Sexualverhalten leben.

Bezeichnend für die Qualität der Studie (darüber können auch die vielen, vielen Zahlen und berechnete Regressionen und Variablen in den Tabellen nicht hinwegtäuschen), dass eine entscheidende Frage nicht gestellt wurde: die nach dem Kondomgebrauch bei bezahltem Sex.

Diese Studie ist eine dem Ärzteblatt unwürdige Interessenäußerung der Pro-Prostitution-Lobby, die den Fokus ablenkt vom eigentlichen Problem der Prostitution: Frauen (ja, es sind fast ausschliesslich Frauen!) werden von Männern (ja, es sind fast ausschließlich Männer) benutzt und missbraucht für eine Praktik, die mit der Menschenwürde nicht vereinbar ist und dem Ziel der Gleichstellung der Geschlechter radikal zuwiderläuft. Was wir brauchen, ist eine moderne Prostitutionsgesetzgebung, die es verbietet, Menschen für Sex zu kaufen und diejenigen, die Sex verkaufen (müssen), entkriminalisiert und beim Ausstieg unterstützt. Was wir nicht brauchen, ist eine Verniedlichung der eklatanten Gewalt- und Machtverhältnisse, die Prostitution darstellt. Und natürlich müssen Männer mit Befürchtungen, an einer STI zu leiden, großzügig getestet und behandelt werden. Und natürlich muss man sie aufklären. Und natürlich muss man ihnen das Verwerfliche, gesellschaftlich, menschlich und medizinisch Inakzeptable ihres „Risikoverhaltens“ deutlich machen.

Eine Frage zum Schluss: wann bringt das Ärzteblatt einen Artikel über die körperlichen, psychischen und seelischen Schäden, die Prostitution bei den Frauen (und Männern), die in der Prostitution arbeiten (müssen), hervorruft?

 

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